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www.medien-monitor.com | 03. März 2012

Eine Chance für den Lokaljournalismus

Der Trend in der deutschen Zeitungsbranche ist eindeutig: Zusammenlegen, rationalisieren, verkleinern. Die Verlage müssen sparen - gerade in Lokalredaktionen. Könnte die Mikrozeitung nicht gerade dort eine Chance für den Lokaljournalisten und den Lokaljournalismus sein?


Es scheint gerade dort eine Nische für den hyperlokalen Journalismus zu geben, wo andere bereits eingespart haben. Imke Emmerich beobachtete für ihre Masterarbeit im Studiengang Medienkommunikation und Journalismus an der Uni Hamburg die Motivation der Macher von hyperlokalen Angeboten. «Die untersuchten Plattformen positionieren sich als alternative Informationsangebote in ihrem Umfeld. Meine Gesprächspartner sprachen über die Lokalzeitungen vor Ort sehr kritisch, vor allem wurden die nachlassende Qualität, die mangelnde Kritik an lokalen Geschehnissen und die einseitige, wenig kleinteilige Themenwahl kritisiert», sagte Emmerich im Interview mit drehscheibe.org.


Produktion der Mikrozeitung ist günstiger

Hinzu kommt ein Kernproblem der «klassischen» Zeitung: Ihre Verbreitung ist teuer. Sie muss gedruckt, transportiert und ausgeliefert werden. Gerade in ländlichen Räumen ist das ein hoher Kostenfaktor. In diesen Gebieten könnte es eine Mikrozeitung nach Gossweilerscher Art leichter haben, glaubt der Zeitungsforscher Günther Rager: «Bei relativ geschlossenen Räumen kann ich mir das gut vorstellen. Bisher war das eine Kostenfrage. Durch die Digitalisierung ist das relativ günstiger und die Verbreitung leichter geworden». Das eingesparte Geld könnte also besser in die journalistische Arbeit vor Ort investiert werden. Und so sieht es das Konzept Mikrozeitung ja auch vor: Auf eine Verwaltungsstelle kommen acht Redakteursstellen.


Ein weiteres Pro für eine hyperlokale Berichterstattung im Internet: Die Zeitung als Medium ist begrenzt. Das heißt, es gibt nur eine bestimmte Anzahl an Büchern, die mit Inhalt gefüllt werden können, ohne dass Kosten und Nutzen den Rahmen übersteigen. Es ist also nur logisch, dass es bestimmte Themen nicht in eine gedruckte Tageszeitung schaffen. Die Navigation auf hyperlokalen Internetangeboten ist hingegen einfacher und schneller. Die Rezipienten können sich selbst gezielt aussuchen, welche regionalen Informationen sie interessieren.


Die hyperlokale Nische existiert

Allerdings könnte es schwierig werden, hyperlokale Inhalte zu finanzieren. Entgegen der Planungen von Urs Gossweiler, mit seinen Plattformen bereits nach drei Jahren den «break even» zu erreichen, gibt es in Deutschland andere Erfahrungen. Mit hyperlokalen Inhalten scheinen die Anbieter noch nicht genug verdienen zu können, so Silke Bender vom DJV-NRW: «Eine Chance für den Lokaljournalismus liegt im Internet auf jeden Fall, das zeigen bereits jetzt gut gemachte lokale Blogs, die verlagsunabhängig erscheinen. Ob sich der wirtschaftliche Erfolg der Mikrozeitung in Deutschland jedoch so einstellt, wie Gossweiler es darstellt, bleibt abzuwarten. Viele der derzeit existierenden Angebote – wie zum Beispiel die Ruhrbarone, Wir in NRW, die Waterboelles oder Hallo Herne – sind eher von journalistischem Impetus denn von wirtschaftlichem Erfolg geprägt.»


Der Verband Deutscher Lokalzeitungen (VDL) hält ein hyperlokales Angebot wie die Mikrozeitung von der Grundidee her – der Konzentration aufs Lokale – für ein interessantes Modell. «Es ist ja schon lange kein Geheimnis mehr, dass lokale und noch lokalere Themen die Menschen berühren», sagt VDL-Mitarbeiterin Claudia Rohnke. Aber die Frage der Umsetzbarkeit bleibe weiter unbeantwortet. «Schließlich gibt dafür es kein tragfähiges Geschäftsmodell.» Auch nach der Pleite der ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung, glaubt Verleger Urs Gossweiler noch, dass der Werbemarkt bald Mikrozeitungen finanzieren könnte.


In Deutschland wie in der Schweiz sind viele Zeitungsmärkte bereits monopolisiert. «In einer globalisierten Welt brauchen lokale Räume eine lokalen Diskurs», ist Gossweiler sicher. Der Bedarf nach einer zweiten Stimme sei vorhanden und wichtig für die Gesellschaft.


Zusammengefasst herrscht demnach ein Konsens zwischen Medienforschern und Verbänden: Hyperlokale Plattformen betreten eine Nische, die meisten nicht ausreichend gefüllt ist und ihre Angebote stoßen auf das Interesse der Leser. Somit bieten sie sehr wohl eine Chance für den Lokaljournalismus und sicherlich auch eine Chance für junge, mobile Lokaljournalisten, die in der Lage sind, crossmedial zu publizieren, sofern es gelingt, genug finanzielle Mittel aufzubringen, um das Produkt am Leben zu erhalten.


Text und Foto: Niels Deuter


Link zum Artikel auf medien-monitor.com

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