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Das Kulturmagazin | 31. Mai 2010

Der lokale David

«Nein, wahnsinnig muss man nicht sein!»

Braucht das Ob- und Nidwaldner Land eine neue Zeitung? Weit über 400 Aktionäre meinen Ja. Seit Ende April erscheint deshalb die «Obwalden und Nidwalden Zeitung», kurz «ONZ».

Nein, wahnsinnig müsse man nicht sein, um jetzt mit einem neuen Produkt anzutreten, sagt Francesco Welti, Chefredaktor der «ONZ». Der 44-Jährige, der zuletzt als Tessiner Korrespondent für verschiedenste Deutschschweizer Medien tätig war, spricht mit enorm viel Verve über «seine» Zeitung, die zweimal wöchentlich erscheint und stark aufs Internet setzt. Auch wenn sie - wie Welti unumwunden zugibt - eben erst gerade aus den Startlöchern schoss und noch nicht alles seine endgültige Form gefunden hat. Nicht weiter verwunderlich, ging doch alles husch, husch. Am 15. Januar 2010 wurde gerade mal mit der Aktienzeichnung gestartet. Ziel war es, bis Ende März 3 Millionen Franken zusammenzukriegen. Die Vorgabe wurde erreicht, der Startschuss abgefeuert. Dank weit über 400 zeichnenden Aktionären konnte Welti Anfang April seine Arbeit aufnehmen und blosse 23 Tage später wurde bereits die erste Ausgabe gedruckt. Was ohne Unterstützung von aussen nicht möglich gewesen wäre: Die im Herbst 2000 gegründete und überaus erfolgreich agierende «Jungfrau Zeitung» stellt der «ONZ» nämlich die technische Basis für die Print-Ausgabe und Internet-Auftritt inklusive Layout zur Verfügung - in Lizenz. Der Inhalt der «ONZ» stamme aber samt und sonders aus dem eigenen Haus, betont Welti. Man kümmert sich dabei nicht ums Weltgeschehen, lässt sowohl Washington als auch Bern links liegen und konzentriert sich auf den Mikrokosmos von Ob- und Nidwalden. Nicht dass nationale Themen nie in die «ONZ» einfliessen würden, aber es gelte sie stets auf die Region «herunterzubrechen», sagt Welti. Sein Bekenntnis: «Wir wollen so lokal sein wie nur möglich».


Guter Wille allein reicht nicht

Innerhalb des Blattes bestünden noch Ungleichgewichte, antwortet Welti auf die Frage, weshalb denn in der ersten Ausgabe die meisten Artikel in Sachen Kultur von einer einzigen Redaktorin verfasst worden seien. «Wir haben beschränkte Kapazitäten und vieles muss sich erst einspielen.» Die «ONZ» von heute ist also nicht ganz repräsentativ für die «ONZ» von übermorgen. Zumal auch das Redaktionsteam noch nicht ganz komplett ist, die 800 Stellenprozente noch nicht ganz ausgeschöpft. Aber man glaubt sich auf gutem Weg. «Das haben mir auch die vielen glänzenden Augen gezeigt, die am Apéro anlässlich der ersten Ausgabe zu sehen waren.» Schwarze Zahlen liegen im Moment nicht drin, die sollen und müssen spätestens ab dem vierten Jahr erreicht werden. Nächstes Ziel: 4‘000 Abonnenten auf Ende Jahr, bis 2014 sollen es dann 8‘000 sein. «Jetzt ist Basisarbeit gefragt.»

Doch weshalb sollte sich die «ONZ» durchsetzen, wo «Online Quer», die Ende 2009 eingestellte Online-Zeitung für Nidwalden, scheiterte? Das durchaus interessante Projekt sei bereits nicht mehr erschienen, als er seine Arbeit aufgenommen habe, erklärt Welti. «Anders als wir hatten die Macher wohl kein Kapital, nur den guten Willen.» Und der reicht bekanntlich nicht. Dass auch die «ONZ» sehr stark aufs Netz setzt und alle Texte online gratis zu lesen sind, hält Welti im Moment für richtig. Nicht zuletzt, weil das Modell für Inseratekunden von Vorteil sei. «Aber nichts ist in Stein gemeisselt.»


Platz für zwei Zeitungen?

Der Goliath hat natürlich bemerkt, dass sich in seinem Reich etwas tut. Man sei vom Antreten der «ONZ» nicht überrascht worden, schreibt Markus von Rotz, Redaktionsleiter «Neue Ob- und Nidwalder Zeitung», auf Anfrage. Selbst sei man bestrebt, die eigene Berichterstattung zu optimieren und wenn nötig auszubauen. Ob es in der Region Platz für eine weitere Zeitung habe, werde sich zeigen. Einen kleinen Seitenhieb kann sich von Rotz jedoch nicht verkneifen: «Mir ist aufgefallen, dass die ONZ seit der ersten Nummer nur eine einzige positive Leserstimme zum eigenen Produkt veröffentlicht hat – und die kam aus dem Kanton Zürich.»


Autor: Michael Gasser


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