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www.medien-monitor.com | 03. März 2012

An alle Unkenrufer!

Schluss. Aus. Die ONZ ist Geschichte. Märkte und publizistische Vielfalt scheinen sich nicht zu vertragen. Trotzdem bleibt die Idee Mikrozeitung reizvoll. Ein Kommentar.


Ihr hattet mal wieder recht: «Wie soll sich das tragen?», «Die Verleger werden das nicht zulassen» und «Der Markt ist gesättigt». Ihr hattet recht, wie es aussieht. Leider, möchte ich hinzufügen. Der erste Ableger der Gossweilerschen Mikrozeitung ist gescheitert. Und es bewahrheitet sich eine alte Erkenntnis: Wer gegen eingesessene Verleger ein neues Produkt in den Markt bringen will, wird es schwer haben. Einen Preiskrieg gegen große Gegenspieler zu verlieren, ist kein Zeichen von Schwäche – ihn zu gewinnen, ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit. Ähnliches haben wir in Deutschland auch schon im Kölner Zeitungskrieg gesehen, wenn auch unter anderen Voraussetzungen.




Das muss nicht zwangsweise daran liegen, dass es der Markt nicht hergeben kann oder würde. Es liegt daran, dass viele der Verleger seit Jahren mit zunehmender Panik auf ihre Zahlen schauen und feststellen: «Es geht bergab!» Aber es bleibt bei dieser Erkenntnis. Lokaler Journalismus wird eingeschränkt, Redaktionen zusammengelegt, Geld gespart. Dann und wann wird auch ein neues Onlineportal aus dem Boden gestampft und als Schritt ins 21. oder gar 22. Jahrhundert gefeiert. Mit geringer Akzeptanz, wie zum Beispiel DerWesten zeigt. Ich glaube, der amerikanische Medienwissenschaftler Jeff Jarvis irrt nicht, wenn er annimmt, dass die Zeitungen den Schritt in die Moderne verpasst haben. Sie produzieren ein Produkt, dass an vielen Teilen der Gesellschaft vorbeigeht. Und der Teil, der es noch konsumiert, gerät in Panik, wenn sich auch nur die Überschriftengröße ändert.


Publizistisch war die Obwalden und Nidwalden Zeitung ein Erfolg. Mehr als 30 Prozent der Menschen in der Region haben ihre Onlineausgabe jeden Monat gelesen – das zeigt, dass es ein Bedürfnis nach hyperlokaler und lokaler Information gibt. Ein Bedürfnis, dass die herkömmlichen Zeitungen nicht befriedigen wollen. Zudem hatten die Menschen die ONZ als publizistisches Angebot akzeptiert: 77 Prozent der Leser steuerten die Seite gezielt an, nur 18 Prozent fanden sie eher zufällig über Suchmaschinen. Seien wir doch mal ehrlich: Es geht doch gar nicht um Vielfalt in der Medienwelt. Es geht darum, Märkte abzuschotten und zu verteidigen. Es geht darum, auf keinen Fall jemand anderem zu erlauben, das zu tun, was man selbst seit Jahren zurückgefahren hat, weil es nach eigener Ansicht nicht mehr wirtschaftlich war. Wenn die Neue Luzerner Zeitung plötzlich in der Lage ist, acht Lokalseiten zu produzieren, wo sie vorher nur zwei hatte, dann zeigt das doch klar: Sie hätte wohl immer mehr lokale Informationen bringen können – sie wollte nur nicht. Nicht umsonst nennen sich Verlage heute Medienunternehmen.


Nur, den meisten dieser Medienunternehmen fehlt, was erfolgreiche Unternehmen ausmacht: Innovationskraft und die Fähigkeit, Situationen neu zu bedenken und zu bewerten. Es gilt doch vielerorts: Tradition statt Innovation.


Ich kann das alles gut verstehen. Jeder muss am Markt überleben – und ohne Kunden ist auch keine Zeitung zu machen. Aber ich wünsche mir mehr Augenmaß und weniger selbstsüchtige und panische Eifersüchteleien. Ich wünsche mir mehr Publizistik und mehr Vielfalt in den lokalen Medien. Die Mikrozeitung kann diese Plattform bieten. Halten wir fest: Auch wenn sie sich, im Fall der ONZ, nicht gegen Gegenspieler finanzieren ließ, so ist doch bei den Menschen angekommen. Wer kann sich sonst schon noch mit Reichweiten knapp an der 50-Prozent-Marke rühmen?


Ein Kommentar von Niels Deuter. Foto: Gregor Hofmeyer


Link zum Artikel auf medien-monitor.com

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